08.06.17

Wurm am Haar - Sjors Milder & Chris Paschmanns

Sjors Milder ist ein niederländischer Wettkampfangler und Feeder-Profi. Christopher Paschmanns hat den Experten aus dem GURU-Team Benelux an einem heißen Sommertag mit der Kamera ans Wasser begleitet, um ihm genau auf die Finger zu schauen. Damit Ihnen keiner seiner Tricks entgeht.

Als ich an unserem Treffpunkt, einem etwa vier Hektar großen, idyllischen See in den Niederlanden ankomme, hat Sjors seine Plattform bereits aufgebaut und wartet auf mich. Es ist früh am Morgen und dass Gewässer ist typisch für unsere Nachbarn: ein Vereinssee mit Tageskartenausgabe, der vor allem bei Friedfischanglern wegen seines guten Weißfisch- und Karpfenbestandes beliebt ist. Nach der Begrüßung schätzt Sjors die Situation ein: „Die Bedingungen könnten besser sein, die Brassen laichen ein zweites Mal hier. Entweder wir erwischen ein paar oder sie haben nur Sex im Kopf.“

Platzwahl und Futter
Sjors hat einen zentral gelegenen Platz gewählt und sitzt auf einer Landzunge, die sich auch unter Wasser weiter in den See hinaus streckt. Hier, vermutet er, ziehen die Fische drüber und er kann sie mit seinem Futter zu einem Zwischenstopp überreden. „Aktiv bleiben, ausprobieren und regelmäßig füttern, das sind meine Ratschläge für solche Bedingungen,“ sagt Sjors. Er hat es auf große Brassen abgesehen und sein Futter besteht aus Fischmehl, gemahlenen Pellets, etwas Mais und einer Menge zerkleinerter Mistwürmer. Um die schnell zu stückeln hat er sich eine Wurmschere gebastelt. Dazu zurrt er einfach drei stabile Scheren aus dem Elektrobedarf mit Kabelbindern zusammen – fertig und stabil. „Fischmehl und Pellets ziehen dicke Brassen bekanntlich an, doch für zerkleinerte Würmer lassen sie alles stehen und liegen!“, schmunzelt der Feeder-Profi und montiert einen stabilen 28-Gramm-Drahtkorb, um schnell fünf Sandwich-Ladungen Futter auszubringen. Sandwich bedeutet: Würmer in die Mitte, Grundfutter außen. Mir fällt die absolute Präzision seiner Würfe auf. Der Korb landet jedes Mal genau dort, wo er auch zuvor die Wasseroberfläche traf. Sjors hat die Schnur eingeclippt und behält sie auch im Clip. Beim Werfen fixiert er einen Punkt am Horizont. „Ich werfe immer aus einer flüssigen Bewegung heraus Korb beladen, Köder checken, ausholen, durchziehen. Nur so bin ich präzise,“ erläutert er und holt aus.

Wie kommt der Wurm aufs Haar
Zum Angeln selbst wechselt er auf einen unauffällig eingefärbten 28-Gramm-Plastikkorb. Der läuft auf einer Schlaufe, die ober- und unterhalb mit der Hauptschnur verzwirbelt wird. Die doppelt gelegte Schnur ist steifer und verhindert Verwicklungen. Seine Vorfächer hat er in eine Rig Box gespannt und beschriftet. „Das sind fertig gebundene Rigs aus der Packung“, sagt er, „besser kann ich die auch nicht binden.“ Diesmal wählt er ein etwa 40 Zentimeter langes Fertigvorfach mit 14er Haken und einem vorgebundenen Haar mit einem Speedstop. „Der Speedstop ist der Clou, schau mal her“, freut er sich und fixiert das spitz zulaufende, kleine Plastik am Haar auf einer speziellen Ködernadel. Dann macht er vor und erklärt: „Du kannst das so mit der Nadel durch alle möglichen Köder stechen, auch Würmer! Ist das Plastik durch, ziehst Du die Nadel wieder raus und kippst es in Position wie einen Boilie-Stopper – hält perfekt!“ Der große Vorteil liegt auf der Hand: So angeködert blockieren die Würmer den Haken nicht, er bleibt frei und kann viel besser greifen. „Eine Revolution des Wurmangelns“, lache ich. Aber tatsächlich, ob auch Aal- oder Forellenfans schon auf die Idee kamen? Die Speedstops gibt’s auch solo und ich schwatze Sjors ein paar ab, um es mal auszuprobieren. Insgesamt beködert Sjors das Haar mit drei Wurmstücken, die er allesamt längs durchsticht. Er wirft aus und ich begutachte kurz seine Ausrüstung. Kein Hexenwerk: leichte Feeder-Rute von Browning, 4000er Daiwa-Rolle gefüllt mit 0,25er Schnur. Am Korkgriff der Rute erkennt man, dass er Angler ist: Hier klebt eine Ansammlung von Futter der letzten Wochen. Kaum habe ich ein Foto gemacht, da wird mir die Rute schon aus dem Blickfeld des Objektives gerissen: Sjors drillt den ersten Brassen, das ging schnell. „Die Würmer machen’s möglich!“ freut er sich.

Fingerfarbe
In der nächsten Stunde schlägt die Spitze der Rute viele Male aus. Und Sjors nimmt sich immer wieder die Zeit, den Platz mit Futter zu versorgen. „Das ist sehr wichtig, sonst bleiben die Bisse aus! Ich füttere jedes Mal auch ein paar Würmer nach, aber nicht zu viele. Die Brassen sollen ganz wild auf die Stücke werden.“ Gegen Mittag wird es ruhiger und immer wieder sehen wir Brassen an der Oberfläche ziehen – kein Wunder bei der Hitze. „Jetzt kommt Farbe ins Spiel“, sagt Sjors und stellt zwei Fläschchen GOO auf seinen Futtertisch. Dieser Flüssiglockstoff wurde von südafrikanischen Wettkampfanglern zum Karpfenangeln entwickelt und ist im Fachhandel über Korda erhältlich. Er erzeugt eine sehr auffällige, stark fluoreszierende Farbwolke unter Wasser und haftet sehr gut an so ziemlich allem: Ködern, Bleien, Futterkörbern...und Fingern. Sjors benetzt damit den Futterkorb und die Würmer. „Brassen reagieren super auf Futter- und Farbwolken. Beim GOO verwende ich ausschließlich zwei Sorten: Perfect Peach und Coconut Cream – darauf fliegen sie einfach!“ Beide Sorten erzeugen eine grüngelbe Wolke und schmecken sehr süß. Ein paar Brassen später sind auch Sjors Finger komplett grün, aber die Taktik ist aufgegangen. Letztlich kocht der sympathische Niederländer auch nur mit Wasser. Doch dank seiner Taktik und ein paar kleinen Tricks erlebte er trotz Laichzeit und Hitze einen erfolgreichen Angeltag – und das können Sie auch!

Cage Feeder sind ideal für diese Angelei

Der Feeder bekommt eine Sandwich-Füllung