20.12.17

Platten in der Stadt - Steyn van Oostwaard

Können Sie sich vorstellen, dass man mitten in Rotterdam einen schönen Tag mit der Feederrute erleben kann. Zwischen den hohen Gebäuden, dem Verkehrsaufkommen auf der Straße und dem Wasser und den meterhohen Spundwänden sieht man allerhöchstens mal Raubfischangler. Doch die Jungs mit Dropshot Methode oder Vertikalködern fangen auch gute Fische! Als Wim Mensen, der häufig im Betonjungle anzutreffen ist, uns einlud, ließen wir uns nicht lange bitten und kamen der Einladung zusammen mit Steyn van Oostwaard nach. Nicht mit der Spinnrute natürlich, sondern mit der Feederrute auf Suche nach dicken Brassen!

Während wir unser Auto parken und Geld in den Parkautomaten werfen, bauen Steyn und Wim schon auf. Obwohl es schon kurz nach neun Uhr ist, ist es auf dem Stück an dem geangelt wird sehr ruhig. Wir befinden uns hier an einem Hafen, der in Verbindung mit der neuen Maas steht. Auf ihren Angel-Plateaus haben die beiden Herren ein großes Stück Wasser vor sich. Die Fische ziehen im Herbst in den Hafen, um zu überwintern. Wim, der sich hier auskennt, erzählt uns aber, dass sie während des gesamten Jahres den Hafen aufsuchen und hier somit immer mit Fisch zu rechnen ist. Durch die Verbindung mit dem riesigen Gewässersystem sind die Fische ebenfalls immer unterwegs. Wenn sie vorbeikommen, dann meist auch in Schulen. Hoffentlich befinden sich darunter ein paar große Brassen!
Steyn fängt eigentlich an wie immer - er bringt ein paar Körbe voll Futter auf seinen Angelplatz. Er entscheidet sich für ein süßes Grundfutter, welches er mit Castern, Würmern und toten Maden noch attraktiver macht. Das Futter presst er feste in den Futterkorb, damit sich die Futtermischung nicht schon in den oberen Wasserlagen aus dem Körbchen löst. Immerhin sind es dort ein paar Meter bis zum Grund.
Während die Stelle aufgebaut wird, schauen wir uns die Umgebung mal genauer an. Anstelle von blühendem Grün in der Natur, sitzen wir heute zwischen hohen Bürogebäuden. Man findet Sirenen, hupende Autos und Beton. Zwitschernde Vögel - nicht hier! Es hat aber seinen ganz eigenen urbanen Charme.
Der erste Biss - durch nur minimales Zucken der Spitze ist direkt klar, dass es sich um einen kleinen Fisch handeln muss. Auf eine tote Made kann Steyn ein Rotauge landen. Zu einem späteren Zeitpunkt bekommt er sogar beim Absinken des Körbchens schon einen Biss, leider ist das aber nicht unbedingt die Art, Brassen zu fangen!

Köderwahl
In Verbindung mit der recht großen Wassertiefe ist es angebracht, die traditionelle Art des Feederangeln zu wählen und mit klassischen Futterkörbchen zu angeln. Schließlich möchte man nicht, dass die Hälfte des Futters schon beim Absinken verloren geht. Bei der traditionellen Art des Feederns denkt man natürlich direkt an Maden, Caster und Würmern. Durch die ganzen kleinen Fische ist es aber recht ineffizient, mit solch kleinen Ködern zu angeln, aus diesem Grund entscheidet sich Steyn, Boilies als Hakenköder zu verwenden. „Viele Leute benutzen Boilies nur in Verbindung mit einem Method Feeder, obwohl sich der Boilie in den letzten Jahren als sehr guter Köder etabliert hat, der dazu noch recht selektiv ist und größere Fische fängt. Ein Grund hierfür ist sicher die auffallende Farbe des Köders. Warum soll man diesen Vorteil nicht ausnutzen? Es ist ja nicht so, dass Brassen keine Boilies mögen!“ Steyn spießt auf sein Bajonett am Haken einen orangenen Wafter auf. Durch das Bajonett, welches ein super Hilfsmittel ist, kann er seine Hakenköder sehr schnell wechseln. Er muss die Boilies oder Wafter nicht mehr mit einer Nadeln aufziehen, sondern kann sie einfach aufspießen. Steyn entscheidet sich heute für einen Choclate/Orange Wafter, welcher inzwischen sein Lieblingsköder geworden ist. Durch die Kombination mit einem QM11 Haken soll der Wafter ganz langsam zu Boden sinken. Das Ergebnis hiervon ist eine sehr natürliche Köderpräsentation. So ausbalanciert ist der Köder für die Fische auch sehr einfach aufzunehmen.

Fangen, aber…
Nach der Veränderung dauert es nicht mehr lange, bis die erste Brasse beißt. Die typischen langsamen Brassenbisse sind durch die geflochtene Schnur sehr gut zu sehen. Weil man an der Spundwand hoch über dem Wasser sitzt, ist es sehr sportliches, die Fische auch zu landen. Steyn, der diese Art von Angelei noch nicht gewohnt ist, tut sich damit noch etwas schwer und ist leicht überfordert. Allerdings hat Wim mit einem teleskopierbaren Kescherstab das richtige Hilfsmittel zur Hand, so dass Steyn den Fische ohne Probleme keschern kann. Mit dem Fisch im Netz kann er den Kescher hochziehen, den Brassen abhaken und ihn schonend wieder zu Wasser lassen. Zwei Stunden nach Beginn der Session wird es wieder ruhiger was die Bisse angeht. Ob die Brassen wohl weitergezogen sind? Weil unter ihm direkt an der Spundwand auch recht tiefes Wasser ist, füttert Steyn regelmäßig kleine Futterballen, Maden und Caster, in der Hoffnung, dass er dort später nochmal angeln kann. Wim ist ihm einen Schritt voraus und wirft direkt vor Steyns Nase, um ein paar Rotaugen zu fangen. Ein paar Augenblicke später hat er tatsächlich auch ein schönes Exemplar im Netz. Das lässt sich Steyn sich natürlich nicht gefallen! Mit geöffneter Rolle lässt er seinen orangenen Wafter einen halben Meter neben Wims Montage ins Wasser. So wie die Schnur nun von seiner Rutenspitze ins Wasser verläuft, erinnert es eher ans Bootsfischen auf dem Meer als ans Feedern. Es dauert auch nicht lange, bis er einen Biss bekommt. Steyn schlägt an und zieht den Fisch an die Oberfläche und glaubt seinen Augen kaum! „Das ist nun eine echt Platte!“ sagt Steyn, als er den Fisch abhakt und ihn nochmal genauer anschaut. Nach der Überraschung und ein paar schönen Rotaugen, fischt er wieder auf der anderen Stelle im Freiwasser und fängt noch einige tolle Brassen. Die Fische sehen gut aus und sorgen für einen tollen Angeltag. Als es Zeit ist abzubauen, verspricht Steyn, dass er definitiv wiederkommen wird. Die „Platten in der Stadt“ machen Lust auf mehr!

Die richtige Schnurwahl ist wichtig.

Stadtbrassen!