08.06.17

Gib Gummi - Sjors Milder & Chris Paschmanns

Was macht mehr Spaß als Karpfen an der Feeder-Rute? Richtig: Karpfen, die am Feeder-Geschirr vor einem Hindernis gehakt und gehalten werden müssen – ohne auch nur einen Meter Schnur zu geben! Sjors Milder zeigt, wie das ohne Risiko klappt. Christopher Paschmanns war live dabei

Als ich an diesem Maimorgen den Waagen auf dem Parkplatz von de Droomvijver ausrollen lasse, zeigt das Autothermometer bereits 19 Grad – das wird ein heißer Tag. Hoffentlich klappt es mit den Karpfen, denke ich, andernorts sind sie schon in Laichlaune. Bepackt mit Kamerakoffer stapfe ich den Kiespfad entlang vorbei an zahlreichen Feeder-Anglern zum vereinbarten Treffpunkt. De Droomvijver ist ein typisches, idyllisches Friedfisch-Gewässer in den Niederlanden mit einem hervorragenden Bestand an Brassen, Karpfen und einem Karpfen-Giebel-Mischling, der F1 genannt wird. Ein echtes Paradies für Feeder-Fans. Doch auch hier springen dir die Fische nicht in den Kescher. Und als ich an einem kleinen Schongebiet vorbeigehe befürchte ich, dass es schwierig werden könnte: Überall im versunkenen Geäst stehen Karpfen dicht an der Oberfläche und sonnen sich. Na wenn das mal gut geht, murmele ich und lege schnell die 500 Meter zu Sjors zurück. Er ist ein Arbeitskollege bei Korda und so ganz nebenbei noch sehr erfolgreicher Wettkampfstipper und ein Ass an der Feeder-Rute aus dem GURU-Team. Sjors empfängt mich mit einem breiten Grinsen: „Ich hab schon drei!“ Drei was, will ich wissen, „na Karpfen!“

Zentimeterarbeit
Ich komme kaum dazu, meine Kamera aufzubauen, da belädt Sjors seinen Korb mit Futter und schickt ihn mit festem Wurf in Richtung der Insel, vor der er sich strategisch günstig positioniert hat. „Aber der geht doch voll in die...“, will ich noch sagen, als der Korb nur Zentimeter vor dem Schutzzaun bei der Insel landet, die den Fischen einen guten Meter zum Ufer als Schutzzone gewährt. „Man, das war mal Präzisionsarbeit“, staune ich. „Ja, ich muss da hinten wirklich auf den Zentimeter genau sein. Landet der Feeder zu weit rechts fühle ich am Grund viel Holz. Und alle Bisse kamen etwas links von dem Zaunpfahl da drüben“. Im Laufe des Tages sollte ich Sjors präzise Würfe noch öfter bestaunen. Mir fällt auf, dass er den Korb in seiner Flugbahn oft noch korrigiert, bevor er aufkommt. Das macht er, indem er die Rute nach links oder rechts neigt, bevor der Korb in den Schnurclip der Spule schlägt. Sjors hat – so sagt er – vor meiner Ankunft Probewürfe mit leerem Korb gemacht, bis er die perfekte Distanz hatte. Einmal eingeclippt belibt die Schnur auch im Clip, „außer es beißt ein 20pfünder“, lacht der sympathische Holländer. Mir leuchtet ein, dass die Karpfen bei den Bedingungen im Freiwasser nicht zu fangen sind. Aber da drüben bei der Insel werden sie sich pudelwohl fühlen. Und wer traut sich denn bitte schon, so nah da dran zu angeln?!

Kein Risiko
Ich will wissen, ob Sjors kein schlechtes Gewissen hat. Schließlich ist bei so einer Angelei ein Abriss doch schon fast vorprogrammiert, oder nicht? In dem Moment schlägt die Spitze voll aus, Sjors schlägt nicht wirklich an, er nimmt die Rute und baut Druck auf. „Karpfen!“, freut er sich. Eine Antwort will ich trotzdem: „Nein, überhaupt kein Risiko! In meinem Feeder ist ein Gummizug, der die heftigsten Kopfschläge und Fluchten puffert. Der wird mit Karpfen gut fertig. Das System heißt X-Safe. An manchen Gewässern ist nur dieses System von GURU erlaubt, weil es so sicher ist. Sollte ich mal richtig Pech haben und der Fisch reißt doch ab, gleitet der Korb problemlos von der Schnur und der Fisch schleppt nur das kurze Vorfach mit sich rum. Ich verwende QM1-Haken, die haben keine Widerhaken und fallen schnell raus!!“ Schon ist der kleine Schuppi im Kescher und ich bin überzeugt. In Windeseile füllt der Feeder-Pro den Pellet Feeder und wuusch, da fliegt das Ding auch schon wieder präzise an den Platz. Kaum hat Sjors die Rute auf der Ablage, geht die Spitze schon wieder voll nach rechts durch: Er drillt Karpfen Nummer 5 des Tages!

Farbe bekennen
Ein kampfstarker Spiegler gleitet in die Maschen und ich erkenne einen orangen Mini-Boilie, der aus seinem Maulwinkel hängt. „Wählst du die Köderfarbe willkürlich?“, frage ich. „Nein, nie. Hier ist das Wasser gerade sehr trüb, da ist Orange top. Pink funktioniert auch fast immer und besonders bei klarem Wasser. Aber generell habe ich für schnelle Bisse gerne einen auffälligen Köder, obwohl ich mit vorgeweichten Pellets beifüttere.“ Den kleinen Dumbell von Ringer steckt Sjors einfach auf das Bajonett seines QM1-Fertigvorfaches – Nadel und Stopper sind unnötig. Er fischt mit einem Pellet Feeder. „Die sind eigentlich top, wenn ich zwischen Seerosen oder so angel. Das Futter fällt – genau wie der Köder – nur hinten raus und wird kompakt und präzise präsentiert. Echt ein Tipp für alle Schleien-Fans! Aber generell mag ich die Pellet-Körbe wegen ihrer stabilen Flugbahn“, erklärt der Profi. Heute sind neben Sjors viele andere Angler am Wasser. Immer wieder schaue ich mich um, doch mehr als einen Brassenfang habe ich nicht mitbekommen. Sjors ist wohl der einzige, der hier konstant Karpfen fängt. Und schon landet der Korb wieder vorm Zaun. Diesmal habe ich Zeit, einen Kaffee aufzusetzen. „Da muss Futter und Farbe rein!“, weiß Sjors und holt ein. Das macht er übrigens mindestens alle fünf Minuten, wenn nichts beißt. Feedern mit dem Holländer ist richtig Action! Er wechselt den bereits etwas ausgewaschenen Köder gegen einen leuchtend frischen und gibt beim Befüllen des Feeders noch einen guten Schuss GOO dazu: „Caramel Cloud und Chocolate Candy gehen gut“, lacht er, und lädt die Rute im Wurf wieder auf. Zwar bringe ich das Kaffeewasser zum Kochen, komme aber nicht zum trinken. Denn schon wieder neigt sich die Rute und Sjors ruft: „Karpertje!“ Dieser Fisch hat richtig Dampf, doch das Gummi im Feeder macht seinen Job und Sjors kann den Vormittag am Wasser mit einem prallen Spiegler für die Kamera beenden.

Perfekt landet die Montage vor dem Zaun

Alle unsere Feeders eignen sich fürs X Safe