06.10.17

Brassen mit der Kopfrute - Sjors Milder

Brassen schwimmen in jedem unserer heimischen Gewässer – ob es nun ein kleiner Kanal ist, oder ein Vereinsseen. Deswegen sind Brassen wichtige Fische während eines Wettkampfes. Sie lassen sich auf viele Arten und Weisen fangen, aber welche ist die effektivste? Sjors Milder zeigt uns seine Tipps und Tricks.

LOTEN
Extrem wichtig ist zu Beginn des Angeltages das genaue Ausloten des Platzes. Auch einen Eindruck von Bodenstruktur sollten wir uns machen. Finde ich eine schöne Kante oder einen Bereich wo sich Hindernisse befinden, den ich zum Angeln besser ausschließe, steigert das meine Erfolgschancen ungemein. Nichts ist so frustrierend wie andauernd festzuhängen oder Fische in Hindernissen zu verlieren. Wenn man mühevoll seine Futterballen auf den Platz wirft und die dann die Kante runterrollen, ist die Chance auf einen erfolgreichen Angeltag auch schnell vertan!
Wenn man das Maul einer Brasse anschaut, erkennt man gleich, dass es sich um einen Fisch handelt, der überwiegend auf oder im Boden frisst. Das richtige Loten ist also sehr wichtig, damit man nicht über dem Boden angelt oder viel zu tief, weil dann keine direkte Bissanzeige mehr möglich ist.
Ein häufig gemachter Fehler ist, nicht direkt unter der Rutenspitze zu loten, sondern diagonal. Wenn ich so auslote, bekomme ich nie ein korrektes Bild der wirklichen Tiefe. Es ist also äußerst wichtig, mein Lotblei direkt unter der Spitze absinken zu lassen. Nachdem ich die Tiefe ausgelotet habe, ist es auch wichtig den näheren Bereich zu ertasten, um zu wissen ob sich die Stelle wirklich dazu eignet, meinen Hakenköder zu präsentieren. Also loten Sie immer die Angelstelle und das Gebiet drumherum aus. Ich nehme mir die Zeit, um Überraschungen zu umgehen.
Wenn man extrem genau ausloten möchte, muss das richtige Lotblei eingesetzt werden. Man sollte darauf achten, dass der Schlitz genau durch die Mitte des Bleies läuft. Aber auch die Unterseite des Bleies sollte eine große Fläche haben, damit es nicht zu schnell und zu tief in weiche Böden einsinkt. Zum Schluss ist es noch von Belang, dass der Haken beim Loten nicht beschädigt wird. Dabei hilft ein weiches Stück Schaumstoff im Lotblei, in das ich meinen Haken einstechen kann. Wenn ich die richtige Tiefe gefunden habe, kann ich diese auf der Schnur mit Hilfe eines Markierstiftes markieren.

FUTTER
Nach dem Ausloten der Stelle ist es Zeit, auf das Futter einzugehen. Ich habe eine Vorliebe für "totes" Grundfutter. Das heißt, es handelt sich dabei um ein Futter mit wenigen arbeitenden Bestandteilen. Der Grund hierfür ist, dass man somit weniger kleine Fische auf den Angelplatz lockt. Die kleinen Fische fressen eher in den höheren Wasserschichten die schwebenden Futterteilchen.
Viele Brassenfuttermixe lassen sich daran erkennen, dass ein großer Teil an Maismehl im Futter vorhanden ist. Maismehl hat sich in den letzten Jahren gewissermaßen einen Stammplatz im Futterbereich auf Grund seines süßen Geschmacks gesichert. Inzwischen entdecken aber immer mehr Leute Grundfutter für sich, in dem Fischmehl vorhanden ist. Aber auch die traditionellen süßen Futtersorten sind immer noch gut und fangen Fische. Ich mag beide Welten und mische oft auch beide Varianten zusammen!
Man hört von vielen Anglern, dass sie ihr Futter schon am Abend vorher zu Hause anmischen. Meine Erfahrung ist aber, dass er keinen Unterschied beim Fangerfolg macht, ob ich das Futter kurz vorher zu Hause mische oder aber erst am Wasser. Es ist eben eher davon abhängig welche Sorte man wofür gebraucht.
Ein Rotaugenfutter soll viel mehr schwebende Teile beinhalten als Brassenfutter. Wenn man Futter also wirklich "töten" will, muss man dafür sorgen, dass das Futter sehr feucht ist. Es ist dadurch schwerer und sinkt direkt ab, ohne viele schwebende Teile zu hinterlassen. Da das Futter beim Angeln natürlich nachtrocknet, muss es immer wieder befeuchtet werden. Bei fertigem Grundfutter ist es unumgänglich, das Futter vorher zu sieben, damit es nicht zu viele grobe Bestandteile beinhaltet.

KÖDER
Wenn man an Brassen denkt kommen einem als Köder direkt Würmer und Caster in den Sinn. Mit geschnittenen Würmern im Futter kann ein kleines Stück Wurm auf dem Haken ein echter Topköder sein! Aber auch ganz normale Maden sollte man nicht unterschätzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Anglern setze ich aber auf tote Maden. Der Vorteil toter Maden ist, dass diese sich nicht mehr bewegen und für die Fische deutlich einfacher aufzunehmen sind. Um die Maden zu töten fülle ich sie in eine Madendose um und setze diese unter Wasser. Dann füge ich noch vorsichtig kochendes Wasser hinzu. Durch die hohe Temperatur hören sie sofort auf sich zu bewegen. Ein weiterer Vorteil toter Maden ist, dass sie keine Futterballen mehr kaputt "krabbeln". Das wichtigste aber - Brassen sind verrückt nach toten Maden!
Gut, von Würmern bin ich wie oben bereits erwähnt auch sehr überzeugt. Vor Beginn des Angelns füttere ich ungefähr zehn Ballen mit vielen kleingeschnittenen Würmern, toten Maden und Castern.
Und ich "cuppe" alles. Denn wenn das Futter "gecupt" wird, bin ich zu 100% sicher, dass es genau dort liegt wo ich es haben will. Dementsprechend wird auch der Angelplatz in eine Wolke gehüllt, wenn die Brassen einmal auf dem Platz sind und fressen. Am besten ist es also, so kompakt wie möglich anzufüttern, um den gewünschten Wolken-Effekt zu erreichen. Während des Angelns sollte man immer wieder kleine Mengen nachfüttern, um die Fische am Platz zu halten. Ein aktiver Fisch zieht schließlich auch andere Fische an.
Ein sogenannter "Pole Pot" ist dabei ein nützliches Hilfsmittel! Den "Pole Pot" kann man auf die Spitze der Rute montieren und das Futter damit punktuell auf den richtigen Platz füttern. Verwenden Sie immer einen "Pole Pot" aus weichem Plastik, um Beschädigungen an der Rute zu vermeiden.

SETUP
Eine der meist unterschätzten Dinge beim Stippen ist die Wahl der richtigen monofilen Schnur. Für eine natürliche Köderpräsentation muss die Schnur geschmeidig sein! Dafür muss man nicht nur eine Schnur haben, die diese Eigenschaft sowieso hat, nein, es muss auch der Durchmesser stimmen! Ich nutze die N-Gauge mit einem Durchmesser von 0,11mm und 0,13mm als Hauptschnur. Wenn ich Posen über drei Gramm nutze, entscheide ich mich aber immer für eine 0,13mm Schnur. Für die letzten Zentimeter vor meinem Köder verwende ich aber grundsätzlich Fluorocarbon-Schnur, weil diese unter Wasser nahezu unsichtbar ist. Den Durchmesser der Schnur wähle ich grundsätzlich 0,02mm dünner als die Hauptschnur. Somit beträgt der Durchmesser meiner Vorfachschnur 0,08mm bis 0,10mm.


POSE UND BLEIEINSTELLUNG
Der Gebrauch einer anständigen Pose wird auch häufig unterschätzt. Ich bin ein Liebhaber von hohlen Antennenposen. Diese werden nämlich im Gegensatz zu Antennenposen aus vollem Material nicht so schnell heruntergezogen, wenn sie mit schweren Ködern geangelt werden. Außerdem sind sie bei starkem Sonnenschein besser sichtbar, weil sie dann sozusagen leuchten. Geben Sie nur acht darauf, dass Ihre Pose gut ausbalanciert ist und immer etwas Widerstand bietet, wenn sie heruntergezogen wird.
Die Bleimontage ist eigentlich recht simpel. Eine kleine Reihe Bleischrot mit der selben Größe und darunter drei Fallbleie der Größe 10. Viele Leute nutzen sehr kleine Fallbleie, allerdings verschlechtert das die Köderpräsentation erheblich. Weil ich lieber größere Fallbleie nutze, sehe ich auch die vorsichtigsten Anbisse.

AKTIV BLEIBEN
Meistens hat man nicht direkt zu Beginn des Angelns einen Biss sondern muss die Fische anlocken! Aber auch wenn sie in der Nähe sind, hat man nicht direkt Bisse. Deswegen muss man den Platz immer attraktiv halten und kleine Mengen Futter füttern. Fische werden durch Futterwolken, sinkendes Futter und das Geräusch der ins Wasser fallenden Ballen angelockt. Wenn sie direkt auf dem Angelplatz sind, ist es wichtig, dass der „Tisch“ gut gedeckt ist und man sie auf dem Platz hält. Falls die Bisse ausbleiben, füttere ich trotzdem weiter, damit die Fische angelockt werden. Heute weiß ich, dass ich so viel mehr Fische fangen kann.

Die Tiefe muss genau ermittelt werden.

Pole Socks schützen die teure Rute.